Freiarbeit


Seit Herbst 1998 gehört Freiarbeit zum Programm unserer Schule.

Unsere Erfahrungen sind ermutigend: Viele Schüler arbeiten erfreulich selbstständig, intensiv und konzentriert. Natürlich gibt es manchmal Reibungspunkte und noch sind wir dabei, die Materialmenge zu vergrößern, Materialien, die Regeln oder die Organisation im Einzelnen zu verbessern. Aber das Entscheidende ist: Trotz der vielen Arbeit, die für Lehrerinnen und Schülerinnen mit der Freiarbeit verbunden ist, schätzen beide diese Organisationsform des Lernens sehr, sie macht eben gleichzeitig Arbeit und Vergnügen.

 
Warum Freiarbeit?

Viele Kinder wachsen mit immer stärker werdender Konsumentenhaltung auf (durch allgegenwärtige Medien, schnelle Erlebnisse und Erfahrungen), viele neigen zu Konzentrationsstörungen. Unsere Schule darf diese Haltung nicht verstärken, sondern muss dagegenhalten: Kreativität, Eigentätigigkeit, Verantwortung für das eigene Tun, selbstständiges Arbeiten, Konzentration, Beharrlichkeit und Stetigkeit müssen gelernt werden.

Die Kinder kommen mit unterschiedlichen inhaltlichen Voraussetzungen und mit unterschiedlichem Lern- und Arbeitstempo an unsere Schule. Unsere Schule muss diese Unterschiede und den individuellen Entwicklungsstand der Kinder gerade in der Erprobungsstufe berücksichtigen.

Einige Kinder neigen zu Störverhalten und aggressivem Verhalten. Unsere Schule kann dieser Tendenz auch dadurch begegnen, dass „ruhige" Phasen eingeplant werden, dass häufige Kleingruppen- oder Partnerarbeit ermöglicht wird, dass Erfolgserlebnisse auf allen Leistungsebenen vermittelt werden und dass Kinder in ihrer Arbeit persönlich betreut werden. Dies kommt auch den Kindern zugute, denen es schwer fällt, Unterrichtsgespräche aktiv mitzugestalten.

In vielen Grundschulen gibt es bereits Freiarbeit oder ähnliche Arbeitsformen. Unsere Schule setzt mit der Freiarbeit also die Arbeit der Grundschulen fort.

Die Anforderungen der Arbeitswelt an ihre zukünftigen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ändern sich ständig. Unsere Schule sollte Kinder darauf vorbereiten: Sie müssen das Lernen lernen.
Freiarbeit bietet die Chance, den oben angeführten Tendenzen zu begegnen, sie fordert und fördert erwünschte Fähigkeiten und Haltungen.

 
Wie ist Freiarbeit an unserer Schule organisiert?

Zwei Fachlehrer, die in der Freiarbeitsklasse unterrichten, stellen jeweils eine ihrer Fachunterrichtsstunden für die Freiarbeit zur Verfügung, sie beobachten, beraten und betreuen die Kinder in diesen Stunden. Die beiden Fachlehrer wählen geeignetes fachbezogenes Material aus oder erstellen Materialien für die Freiarbeit in der Klasse.

Dieses Material liegt in Form von Arbeitsblättern, Projektaufgaben, Puzzles, Dominos, Spielen, Pensen, Texten, Bildern, Karteien, Dialogen usw. vor, es dient der

  1. Übung und Vertiefung bereits erarbeiteter Sachverhalte,
  2. Erarbeitung neuer und den Kindern somit unbekannter Sachverhalte,
  3. Erarbeitung und Einübung von Methoden.

Das Material ermöglicht Einzel, Partner- und Gruppenarbeit. Welches Material das Kind bearbeiten will und mit wem es ein spezielles Material gemeinsam bearbeiten will, entscheidet jedes Kind für sich selber, die Bearbeitung eines Teils der Materialien kann auch verpflichtend sein. Jedes Kind listet - auch für den Lehrer einsehbar - auf, welche Materialien es bereits bearbeitet hat, der Lehrer berät - wenn nötig - bei der Auswahl des Materials.

Viele Materialien - wie etwa der bekannte LÜK-Kasten oder Puzzles - haben eine Selbstkontrollmöglichkeit, alle anderen fertig bearbeiteten Materialien werden abgegeben und vom Lehrer gesichtet und kommentiert zurückgegeben.

 
Welche Regeln gelten für die Freiarbeit?

Typische Freiarbeitsregeln sind:

  • Wähle das Material, mit dem du arbeiten willst zügig aus, bleibe dann bei der Arbeit und stelle diese erst fertig, bevor du eine an Arbeit wählst.
  • Arbeite ruhig und konzentriert, flüstere, wenn du sprechen musst.
  • Hilf deinen MitschülerInnen, wenn sie dich um Rat fragen. Störe niemanden, bewege dich möglichst leise und rücksichtsvoll in der Klasse.
  • Erstellte Produkte und schriftliche Arbeiten müssen formal ansprechend sein: Zeichne links und rechts einen Rand ein, hefte zusammengehörende Blätter in der richtigen Reihenfolge aneinander, fertige bei einer umfangreichen Arbeit ein Deckblatt an, ansonsten braucht jede Arbeit einen „Kopf“ mit Namen, Datum und Thema.
  • Wenn es zu dem Material Lösungen gibt, dann vergleiche deine Ergebnisse mit den Lösungen und berichtige fehlerhafte Ergebnisse.
  • Gib vollständige Arbeiten ab.
  • Gehe mit dem Material sorgfältig um und räume es nach Gebrauch vollständig wieder an seinen Platz zurück.